Das Pavierlied (Traditional)

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  • (Posted 2025-12-14)  CPDL #87771:           
Editor: Francesco Spiga (submitted 2025-12-14).   Score information: A4, 2 pages, 228 kB   Copyright: CC BY NC SA
Edition notes: Arranged by Francesco Spiga. For SATB. Audio recording performed live by Complesso vocale e strumentale Cantus Ornatus, directed by Francesco Spiga.

General Information

Title: Das Pavierlied
Alternative titles: Was wöll wir aber heben an, Schlacht vor Pavia
Composer: Anonymous (Traditional)
Lyricist: Anonymous
Number of voices: 4vv   Voicing: SATB
Genre: SecularFolksongHymn

Language: German
Instruments: A cappella, Mixed ensemble

First published: 1539
Description: A Landsknechts' song in memory of the Battle of Pavia (1525). The tune probably comes from the Unser Vater choral.

External websites:

Original text and translations

German.png German text

1 Was wöll wir aber heben an,
ein neuwes Lied zu singen?
Wohl von dem König aus Frankreich
Mailand das wollt er zwingen.
Das g'schah da manählt tausendfünfhundert Jahr,
imfünfundzwanzigsten ist's geschehen:
er zog daher mit Heereskraft
hat mancher Landsknecht g'sehen.

2 Er zog für ein Stadt, heißt Mailand,
die selbig täter zwingen,
dernach für ein Stadt, die heißt Pavia,
er meint, er wollt es gewinnen,
darin lag mancher Landsknecht frisch,
das hätt der König verschworen,
er sprach, sie sollten die Stadt aufgeb'n,
sie wär sunst_schon verloren.

3 Wir hörten kürzlich einen Rat
Einer fragt den andern
Nun zeugt der König nimmer ab
Darnach steht sein Verlangen
Nennt sich einer mit Namen Graf Eitelfritz
Die Stadt wollt er nicht aufgeben
Wir bauen zwei Bollwerk, die sein fest
Es kost' recht Leib und Leben.

4 Sie sein mit mancher Hand gemacht
Zwei Bollwerk wohl erbauen
Wir liegen die winterlange Nacht
Zu Pavia auf der Mauren
Da wölln wir warten des kühlen Wein
Tut der König die Mauren zerbrechen –
Es kummt ein Fürst von Œsterreich
Den Schaden wird er rächen.

5 Wir lagen die winterlange Nacht
vor Kält kunt' wir nicht bleiben
Wir kunnten nicht erwarten des kühlen Wei
Gar eilend tät wir schreiben
Und schrieben dem Fürsten aus Œsterreich
Er soll nicht ausbleiben
Soll bringen manchen Landsknecht frisch
Den König zu vertreiben.

6 Der Fürst hätt kürzlich einen Rat
Mit seinen Fürsten und Herren
Wie bald er nach Herr Jörgen schrieb
Der war ihm nicht zu ferre
Marx Sittich von Ems desselben gleich
Er ruft sie an in Treuen
Sie sollten ihm treulich beistahn
Den König zu vertreiben.

7 Sie wurden kürzlich Unterricht'
Zu Innsbruck auf dem Tage
Wurd manches Fähnlein aufgericht
Im deutschen Land hört mans sagen
Darunter zug mancher Landsknecht frisch
Tät in feinem Harnisch herklingen
Wir zugen all gen Mailand hin:
Gott wöll, daß uns gelingen!

8 Alsbald der König das vernahm
tät er sich nit lang besinnen
Wie bald er die Stadt zum Sturm beschoß
Er meint er wollts gewinnen
Darvor verlor er viel manchen Mann
Das tät dem König zoren
Er sprach, sie sollen die Stadt aufgeben
Sie wär doch sunst verloren.

9 Der Sturm hat er fünf getan
Und hat sie all verloren
Da zog Herr Jörg, Marx Sittich von Ems daher
Die zween Herren auserkoren
Legten sich vor Pavia in das Feld
Pavia tät sich das freuen
Der König mit Heereskraft davor
Man kehrt sich nit an sein Drauen!

10 Die Landsknecht machten ihr Ordnung fest
Ein Rat der wurd beschlossen
Ein «verlornen Haufen» man machen soll
Ein Hauptmann ausgeschlossen.
Hauptmann Edel ist er genannt
Man ruft ihn mit den Treuen
Nimm den verlornen Haufen zu Hand
Laß dich dein Leben nit reuen!

11 An Sant Mattheys' Tag, da der Tag herbrach
Da fing wir an zu ziehen
Ich weiß, wie den Schweitzern die Sach gefiel
Sie begunten gar bald zu fliehen
Da zugen wir in Tiergarten hinein
Darnach stund unser Verlangen
Sie hießen uns alle willkommen sein
Aus Karthaunen und mit Schlangen.

12 Valtein Kopp war auch dabei
Mit manchen guten Schützen
Darzu mancher frommer Landsknecht
Nach Ehren tät ers nutzen
Das Handgeschütz hätt er gar bei ihm
Mit sammt zweien Knechten.
«Schießt drein, schießr drein, ihr frumme Landsknecht,
Gar ritterlich wöll wir fechten!»

13 Herr Jörg schrie Valtein Koppen an
Soll ihm das Gschütz herbringen
Velte Kopp tät wie ein ehrlich Mann
Und sich nit lang besinnen
Er führt daher mit ganzer Macht,
Ganz wohl tät er sich rüsten;
Wie schussen all «zu halben Mann»,
Ward den Franzosen verdrießen.

14 Herr Jörg, ein edler Ritter fest
Stond da mit seiner Hellebarden
Er sprach: «Es kummen uns fremde Gäst
Derselben wöll wir warten».
Gegen ihm zog der Langmantel daher
Herr Jörg, versöch dich eben
Du mußt hie mein Gefangner sein
Ob du willt fristen dein Leben!

15 «Herr Jörg, muß ich dein Gefangner sein
Oder kost es mich mein Leben».
«So habe ich getrunken des kühlen Wein
Mein Leib will ich dir nicht aufgeben
Ich Hab so manchen Landsknecht frisch
Stehn da in ihren halben Hosen:
Stecht drein, stecht drein, ihr frumme Landsknecht,
Das sind die rechten Franzosen!».

16 Marx Sittich von Ems griffs zum Ersten an
Mit seinen frummen Landsknecht
Wann er stund selber vornen dran
Gar ritterlich tät er fechten
Die Schlacht die währt eine kleine Weil
Da ward sie schon verloren
Wurd' mancher Franzos zu Tode geschlagen.
Mancher Kürasser auserkoren.

17 Ein Graf genannt aus deutschem Land
Mit Namen von der Salinen,
Er griff den König selber an
Die Landsknecht warn zerspalten
Der Vicereg desselben gleich
Manch Speer wurd' in der Mitr' zerspalten
Da stach wir alle mir Freuden drein.
Der lieb Gott soll sein walten.

18 Die Schlacht wahrt anderthalbe Stund
Da war sie schon vergangen
Wurd' mancher Schweizer zu Tod geschlagen
Mancher wurden gefangen
Die Landsknecht blieben dahinten stahn
Als viel mich will bedunken
Die Summ' man nit erzählen kann
Die im Wasser sein ertrunken.

19 Schweizer, du scheißt mir ein Dreck auf d' Nas
Und fünfzehn in Knebelbarte!
Ich mein, wir haben dich baar bezahlt
Zu Pavia im Thiergarten.
Du sprichst: «Ich berühme mich eigner Schand».
Das ist wahrlich erlogen
Du hast dem Franzos verloren Land
Bist schändlich von ihm geflohen.

20 Du hast geschrieben in deutsche Land
Wie du die Schlacht habest gewunnen
Du habest uns von unserm Gschütz gejagt
Wären schändlich darvon entrunnen;
Das wöll Gott heut noch nimmer.
Kein Landsknecht ist geflohen
Das dein hast du dahinten g’lan,
Da wir zusammen zogen.

21 Also habt ihr vemummen wohl
wie es den Schweizern ist ergangen
Sie hätten geschworen einen Eid,
Sie nahmen unser keinen gefangen
sie ruften Maria Gotts Mutter an
Dass wir ihr täten bewarten
Ich mein: wir haben sie bar bezahlt
Zu Pavia im Thiergarten.

22 Der uns das Liedlein neuwes sang,
Von neuem hat gesungen
Daß hatt getan ein Landsknecht gut
Den Reihen hat er gesprungen
wann er ist auf der Kirchweih gewest
Der Pfeffer ward versalzen
Man richt ihn mit langen Spießen an
Mit Hellebarden g’schmalzen.